Evangelisches Gesangbuch 103 – Gelobt sei Gott im höchsten Thron

 

Gelobt sei Gott im höchsten Thron
samt seinem eingebornen Sohn,
der für uns hat genug getan.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

 

Michael Weiße (1488–1534) hat dieses Osterlied im Jahr 1531 in „Ein neu Gesäng Buchlen“ veröffentlicht. Es enthält weit über hundert deutsche Lieder in eigener Dichtung und Übertragung. Damit hat Weiße im Bereich des deutschsprachigen Kirchenliedes das bis dahin größte poetisch-musikalische Werk eines Einzelnen geschaffen. Jesus hat für uns genug getan. Diese Glaubenserkenntnis ist durch die Reformation neu in den Mittelpunkt gerückt worden. Doch weil Weiße sich der Lehre Luthers angeschlossen hat, wird er aus dem Franziskanerkloster in Breslau ausgewiesen. Im Winter 1517/18 flieht er zu einer Gemeinde der Böhmischen Brüder. 1522 wird er zum Prediger und Vorsteher der deutschsprachigen Brüdergemeinde in Landskron gewählt. Die Ursprünge der Böhmischen Brüder gehen zurück auf den tschechischen Reformator Jan Hus, der 1415 während des Konzils von Konstanz als Ketzer verbrannt worden ist. Martin Luther, zu dem Michael Weiße in Kontakt getreten ist, fühlt sich den Böhmischen Brüdern innerlich verbunden. Luther schreibt: „Ich habe bisher unbewusst alles, was Hus hat, gelehrt und gehalten. Kurz wir sind alle unbewusste Hussiten, wie auch Paulus und Augus­tinus.“ Trotz mancher Unterschiede in Glauben und Leben schreibt Luther voller Anerkennung: „Weil ihr wisset, dass man euch für die ärgsten Ketzer hält, gebe ich Zeugnis, wie gar viel näher ihr dem Evangelium seid, denn alle anderen, die mir bekannt sind.“Dieses Evangelium besingt nun auch Michael Weiße: Jesus hat für uns genug getan. Nicht aufgrund eigener Rechtschaffenheit bekommen Menschen Frieden mit Gott, sondern allein durch ihren Glauben an Jesus Christus, der durch seine Auferstehung Sünde, Tod und Teufel aufs Kreuz gelegt hat. In enger Anlehnung an die biblischen Berichte besingt Weiße die Auferstehung Jesu in zwanzig Strophen. Sechs davon haben es bis in unser Gesangbuch geschafft (EG 103,1-6).„Des Morgens früh am dritten Tag, da noch der Stein am Grabe lag, erstand er frei ohn alle Klag. Halleluja, Halleluja, Halleluja.“ Mit diesen Worten besingen heute evangelische und katholische Christen ihre österliche Hoffnung: „Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Not.“ Es sind nicht die eigenen Ideen und Ideale, die ihnen Kraft für den Alltag geben, sondern die Verbindung mit der unauslöschlichen Lebenskraft von Jesus Christus.

 

Reinhard Ellsel Info: Ausführliche Predigten zu 14 Liedern aus der Reformationszeit hat Autor Reinhard Ellsel unter dem Titel „Lieder der Reformation – aktuell ausgelegt“ im Luther-Verlag veröffentlicht.