Thomas Müntzer ist um 1489 in Stolberg (Harz) geboren. Er erhielt eine humanistische Bildung und wurde zum Priester geweiht. Noch vor Martin Luther war er auf Distanz zur katholischen Kirche gegangen. Dann begrüßte er die sich ausbreitende Reformation und heiratete die ehemalige Nonne Ottilie von Gersen.

 

Luther empfahl Müntzer 1520 auf eine Pfarrstelle in Zwickau. Aber Müntzers Auffassungen unterschieden sich von denen Luthers radikal. Er war überzeugt, dass das Vertrauen in das durch Christus geschenkte Heil noch nicht wirklicher Glaube sei - der müsse in einem inneren Leidensprozess zustande kommen, indem der Mensch die Passion Christi nachvollziehe.

 

Müntzer wurde auf die aufständischen Bauern aufmerksam, die sich seit Juni 1524 in Süddeutschland erhoben hatten und deren Bewegung auch nach Thüringen ausstrahlte. Er reiste durch die aufständischen Gebiete und wurde in seiner Auffassung bestärkt, dass Pfarrer wie Fürsten die einfachen Leute nur vom Glauben abhielten, die Bauern aber das Werkzeug zur für ihn notwendigen apokalyptischen Reinigung seien. In der Entscheidungsschlacht hatten sie gegen die Landsknechte der Fürsten und deren Feuerwaffen keine Chance. Müntzer wurde gefangen genommen. Er deutete die Niederlage als Strafe Gottes, weil die Bauern für ihren eigenen Vorteil und nicht für das Reich Gottes gekämpft hätten. Auch unter Folter widerrief er seine Lehren nicht und wurde daraufhin hingerichtet.

 

Michael Achhammer | luther2017.de     Foto: epd bild