Jan Hus wurde 1371 als Kind einer armen böhmischen Familie geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in der Hauptstadt Prag, die, wie ganz Böhmen, im 14. Jahrhundert von einem politisch einflussreichen Klerus dominiert wurde.

 

Hus sah als Haupt der Kirche allein Christus, als ihr wahres Fundament die Bibel. Die in seinen Augen sündige Institution Kirche hatte durch Ablasshandel und Unzüchtigkeit ihren Vertretungs-anspruch verloren. Hus wollte Gläubigen eine stärkere Teilhabe ermöglichen: Die Kelchkommunion sowie das Recht zu predigen sollte auch Laien zuteilwerden.

 

Eine weitere entscheidende Neuerung: Hus predigte in tsche-chischer Sprache. Der Papst quittierte Hus' Reformvorschläge 1410 mit dem Kirchenbann. 1414 wurde Hus in Konstanz vom päpstlichen Inquisitionsgericht der Ketzerei angeklagt. Zum Widerruf seiner Lehren ließ er sich nicht bewegen und wurde am 06.07.1415 vor den Toren von Konstanz verbrannt.

 

Der böhmische Theologe Comenius nannte Hus den „Ausgangspunkt der Reformation“. Damit begründete er die tschechische Tradition, der lutherischen Reformation die „erste“ Reformation durch Hus voranzustellen. Luther beschäftigte sich allerdings erst einige Zeit nach der Niederschrift seiner Thesen explizit mit Hus, um dann allerdings festzustellen: „Wir sind alle Hussiten, ohne es gewusst zu haben.“ In der Folge ließ Luther Hus‘ Schriften verbreiten und sah sich als seinen direkten Nachfolger.

 

Michael Achhammer | luther2017.de   Foto: epd bild