Visitation – Besuch aus Steinfurth und Wisselsheim

 

Wir hatten Besuch. Vier Frauen aus Steinfurth und Wisselsheim und Pfarrer Siegfried Nickel waren vom 7. bis 9. Oktober unsere Gäste.

Visitation heißt die Aufgabe, die uns von der Landeskirche gestellt wurde. Sich gegenseitig besuchen, um sich kennenzulernen, die Gemeinden mit anderen Augen zu sehen, zu zeigen, was los ist, was funktioniert, wie etwas organisiert wird und wie christliches Miteinander in unseren Gemeinden gepflegt wird. Etwa alle zehn Jahre sollte diese Art der Treffen organisiert werden, das Dekanat Wetterau entschied, dass sich Gemeinden innerhalb des Dekanats austauschen, der Dekanatssynodalvorstand bildete Pärchen: Wisselsheim-Steinfurth besucht Heuchelheim-Reichelsheim mit Dorn-Assenheim.

Vorab war es die Aufgabe der heimischen Kommission (Pfarrerin Angela Schwalbe, Ines Dauernheim, Inge Keller und Manfred Winter) ein Besuchsprogramm zu gestalten und einen Gemeindebericht zu schreiben. Klar, dass unsere Motivation zu dieser zusätzlichen Aufgabe nicht immer himmelhochjauchzend war. Pragmatisch, mit etwas Grummeln stellten wir uns diesem Projekt.

 

Was wir an dem Wochenende erlebten, war eine Überraschung: Mit der Ankunft unserer Gäste entstand sofort eine Herzlichkeit. Die Chemie stimmte vom ersten Augenblick an. Gabriele Acker, Melanie Apel-Qureishi, Ina Kotke und Pfarrer Nickel kamen etwas früher in Heuchelheim an, als eingeplant. Flugs gingen wir noch gemeinsam durch die Hauptstraße und Hintergasse zurück zur Kirche, wir redeten und erzählten – ja, wir waren uns sympathisch.

In der Kirche trafen wir einige Gemeindemitglieder und Kirchenvorsteher, so dass wir mit einer Andacht ins Besuchsprogramm starten konnten. Klar, dass die Wisselsheimer und Steinfurther ein typisches Geschenk aus ihren Orten mitbrachten: eine Steinfurther Rose, die Pfarrer Nickel sofort in die Hände des Heuchelheimer Küsters und Rosenliebhabers Hans Schmidt übergab, er versprach sie an einem hübschen Ort im Kirchgarten einzupflanzen.

Ein besonderer Höhepunkt stand am Visitationsabend an: Der Besuch der „Sauerkraut-Lesung“ der mittendrin Frauen im Reichelsheimer Bürgerhaus.

 

Zum zweiten Besuchstag war die Steinfurth-Wisselsheimer Kommission um Henrike Duda, Kirchenvorsteherin und ehemalige Rosenkönigin, erweitert. Dieser Tag begann in der katholischen Kirche St. Maria-Magdalena in Dorn-Assenheim mit einer Andacht, die Elemente der Abendgottesdienstliturgie aufnahm. Pfarrer Markus Stabel und Alois Hobler vom Verwaltungsrat der katholischen Gemeinde berichteten über ihre Arbeit und die Geschichte ihrer Kirche.

Kerstin Schmidtke stellte die gemeindepädagogischen Angebote in der Region Reichelsheim vor. Anschließend ging’s weiter nach Reichelsheim. Hier galt es den Ort zu erkunden: Römerberg, Neugasse, Turmgasse, Hexenturm, Haingasse, Friedhof und zurück zum Sälchen, wo ein gemeinsames Kaffeetrinken organisiert war, zu dem sich neben den Kirchenvorstehern und Kommissionsmitgliedern noch die mittendrin-Frauen gesellten. Bei Kaffee, Tee, Kuchen und salzigem Gebäck wurde munter erzählt.

Bis Alexander Hitz zur Führung durch die Reichelsheimer Kirche mit dem Höhepunkt, dem Aufstieg auf den Kirchturm bat, von oben bot sich ein wunderbarer Überblick über die Wetterau. Wieder unten angekommen, spazierte die Gruppe zum neuen Rathaus, wo Flüchtlingsbetreuerin Sabine Tinz und Bürgermeister Bertin Bischofsberger die Visitationsgruppe empfingen. Dazu gesellten sich die Teamer der Jungschar, die geplant hatten mit den Kindern ein Lied zu singen, allerdings kam lediglich ein Junge. Tinz informierte gemeinsam mit Herbert Reichardt über die Aktivitäten in der Flüchtlingsarbeit und hob die Kooperation mit der Kirche beim Frauenfrühstück kunterbunt hervor. Den Visitationstag beendete eine Andacht in der Kirche, mit einer besonderen Überraschung: Es klopfte an der Tür und zwei Flüchtlingsmädchen, die zur Jungschar gehören, traten ein – also wurde nun das einstudierte Lied spontan gemeinsam gesungen.

 

Am Sonntag nahmen die Gäste am Gottesdienst in der Laurentiuskirche mit anschließender Gemeindeversammlung, in der Cordula Willems und Karin Welcker die Pläne für den Kindergottesdienst vorstellten und Manfred Winter über die Homepage informierte, teil. Höhepunkt des Tages war der Kanon, den die Gemeinde Pfarrerin Angela Schwalbe zum Geburtstag sang. In einem Abschlussgespräch reflektierten die Visitationsgruppen ihre Erlebnisse: Die Zeit, um sich ausführlicher zu unterhalten sei zu kurz gewesen. „Vom ersten Augenblick der Visitation war das Eis gebrochen, es war eine absolut harmonischer, spannender Austausch“, sagte Pfarrerin Angela Schwalbe. „Wir haben uns bei ihnen sehr wohl gefühlt“, ergänzte Pfarrer Nickel. „Nun machen wir uns auf den Weg zurück, haben den Bericht zu schreiben und freuen uns darauf uns in vier Wochen in Steinfurth und Wisselsheim zu sehen“, verabschiedeten sich die Gäste.

                                                                          (Text und Bilder: Ines Dauernheim)

 

Impressionen der Visitaionsbesuche

Bilder 1 - 7

Unsere Gäste aus Steinfurth und Wisselsheim beim Besuch in Reichelsheim

Bilder 8 - 12

Unser Besuch in Steinfurth und Wisselsheim

Die Chemie stimmt beim Visitationsbesuch – offene und ehrliche Gespräche

 

Ist die Vistitation nun ein Geschenk oder nicht? Ist sie ein riesiger Zeitaufwand, wo Einsatz und Nutzen in einem Missverhältnis stehen?

Diese Fragen kann ich auch Wochen nach der Vistiation immer noch nicht genau beantworten. Was ich weiß, dass die eineinhalb Tage, die wir in Wisselsheim und Steinfurth zubrachten, eine Bereicherung waren. Sich kennenlernen stand im Vordergund, eine Herzlichkeit war vom ersten Augenblick gegeben, langweilig war es keine Sekunde der gemeinsam verbrachten Zeit. Schnell war klar, dass wir ähnliche Probleme im Gestalten von christlichem Leben in den Gemeinden haben, dass wir ähnliche Aktionen haben, die uns erfreuen, mit denen wir Akzente setzen können. In Erinnerung wird das Wetter bleiben, von dem wir uns nicht beeindrucken ließen, und mit wasserfesten Jacken und Schirmen durch Wisselsheim und Steinfurth gingen.

 

Das erste Aha-Erlebnis hatte ich, als ich durch die Tür in die Wisselsheimer Kirche ging: Es ist ja wie zu Hause in Heuchelheim nur keine Empore. Klar, dass hier sofort Fragen aufkamen: Wie konnte die Renovierung finanziert werden, welche Summen mussten investiert werden. Denn in Heuchelheim beginnen wir gerade die ersten Schritte hin zur Innenrenovierung unserer Kirche. Was in  Wisselsheim längst vollzogen ist: Es werden lediglich im Advent wöchentliche Gottesdienste angeboten, ansonsten kommen die Gemeindeglieder, denen das Feiern der Gottesdienste wichtig ist, am 1. und 3. Sonntag in der Kirche zusammen. Wie wird der Gottesdienst besucht: „Wechselnd bis schwach.“ – Auch hier gibt es Gemeinsamkeiten.

 

Viel Zeit hatten wir während der Besuchsphase für Gespräche: In Wisselsheim tauschten wir uns mit Ortsakteuren vom Ortsbeirat, einer Lehrerin der Wettertalschule aus. Wie auch später in Steinfurth erfuhren wir, dass die Schulen gern mit den Kirchengemeinden enger kooperieren würden. Wenn da nicht immer der Zeitfaktor wäre, denn auch das lernen wir Kirchenvorstände: Wir Ehrenamtliche können nicht alles leisten, was wir gern machen würden – ähnliches gilt für die Pfarrer und Pfarrerinnen auch. In den vielen Gesprächen wird uns klar, dass wir Christen egal wo wir agieren, näher zusammenrücken werden, wollen und müssen. „Wir werden weniger, da müssen wir schauen, wo die anderen Christen sind, erkennen, was uns verbindet“, sagte Pfarrer Siegfried Nickel in einer der vielen Gesprächsrunden an dem Vistitationssamstag.

 

Ganz sicher ist es uns Besuchern aus Reichelsheim und Heuchelheim gelungen, intensive Kontakte mit unseren Gastgebern zu knüpfen, vielleicht ist auch das etwas, was uns durch das Visitationsprogramm vor Augen geführt wurde: Wo Christen zusammen kommen, entsteht binnen kürzester Zeit eine offene Atmosphäre, eine Herzlichkeit gepaart mit Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft. Diese Hilfsbereitschaft gelingt es, den Gemeinden Steinfurth und Wisselsheim auch im Konfirmandenjahr an die jüngere Generation weiterzugeben, wie die Konfis ins Gemeindeleben integriert werden, dass ihnen Paten zur Seite stehen, dass sie selbstverständlich den Gemeindebrief, Die Eule, austragen, das gepaart mit dem Konfipass waren Anregungen, die wir mitnehmen.

 

Beeindruckt waren wir von der Vereinsvielfalt und dem Gemeinschaftssinn in Steinfurth. Dies ist ein Pluspunkt, den der Ort hat, der nicht zu unterschätzen ist. Allerdings auch diese Vielfalt ist wohl kein Garant dafür, dass die Integration, das an den Ort als Heimat binden, der Neubürger noch gelingt. Eine weitere Besonderheit ist das Engagement der Ehrenamtlichen: Frauenhilfe, Frauenkreis, Besuchsdienst, Redaktionsteam Eule, Öffentlichkeitsarbeit, Kinderkirche, Konfi-Teamer, Kirchenvorstände mit Ausschüssen. „Sie haben sehr viele Mitarbeiter, das ist segensreich“, lobte Pfarrerin Angela Schwalbe.

 

 

Schön war unser Besuch im Sonntagsgottesdienst in Steinfurth. Die Chance Gottesdienste in anderen Gemeinden zu besuchen, sollten wir häufiger wahrnehmen, mal schauen, ob es gelingt. Anzumerken war unseren Gastgebern die Enttäuschung, wie wenig Gemeindeglieder an der anschließenden Gemeindeversammlung teilnahmen, in der die Kirchenvorstände die Neuerungen vorstellten, in denen sich der FSJ-ler präsentierte. Auch das kennen wir aus Reichelsheim und Heuchelheim, dass die vorgesehenen Gemeindeversammlungen von den Gemeindegliedern nicht angenommen werden. Eine nette Geste, die wir auch erleben durften, dass am Ausgang der Kirche ein Wort für die Woche ausgeteilt wurde. Darin heißt es: Unermesslicher Gott, deine Gnade reicht bis an die Enden der Welt. Weite unsere Herzen für deine Gegenwart – auf dass wir von deiner Ewigkeit kosten können. Weite unsere Herzen für die Gegenwart anderer – auf dass wir deinem Sohn nachfolgen.

 

Vielen Dank für die gemeinsame Zeit in Wisselsheim und Steinfurth – Ines Dauernheim.

 

 

Die Besuchskommission bestand aus Manfred Winter und Inge Keller vom Reichelsheimer Kirchenvorstand, Sabine Wilhelm (Samstag), Heidi Mayer (Sonntag) und Ines Dauernheim vom Kirchenvorstand Heuchelheim sowie Pfarrerin Angela Schwalbe.