Abschied: Von Reichelsheim nach Nairobi

Pfarrerin Amélie Sinapius geht

 

„Ich habe noch so viel zu sagen, das wird heute etwas länger dauern“, erklärte Pfarrerin Amélie Sinapius. Nach fünfeinhalb Jahren als Seelsorgerin in Reichelsheim, Heuchelheim und Dorn-Assenheim verlässt sie die Wetterau mit ihrer Familie, um in Nairobi (Kenia) zu leben, wo ihr Mann arbeitet.

Viele Wegbegleiter waren gekommen, um Abschied zu nehmen. Festlich wurde am 3. Juli in der Laurentiuskirche Gottesdienst gefeiert, den Dekan Volkhard Guth, Sinapius und ihre Nachfolgerin Angela Schwalbe gestalteten, musikalisch unterstützt von Ralf Schäfer (Orgel), Heike von Blanckenburg (Gesang), Heilgard und Hagen Sinapius (Trompete und Gesang).

Für die beiden Kirchengemeinden ergriffen die Kirchenvorsteher Manfred Winter (Reichelsheim) und Ines Dauernheim (Heuchelheim) das Wort. „Es waren fünf intensive, prägende Jahre“, sagte Dauernheim. „Das Wirken von Amélie Sinapius erinnert ans Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“, sie hat bei uns Kreise gezogen“, dankte Winter. Kirchencafé, Krabbeltreff, Jungschar, Kinderbibeltage.

„Vor fünf Jahren hießen wir ein junges Ehepaar mit Hund Urmel, der immer aufheulte, wenn die Kirchenglocken läuteten, willkommen“, ergänzte Dauernheim. „Nun verabschieden wir eine Pfarrersfamilie mit zwei Töchtern und zwei Hunden. „Es ist viel Gutes in den vergangenen Jahren entstanden“, erklärte Sinapius.

Die Gemeinden hätten sich auf Neues eingelassen und ihr signalisiert, wann es besser ist, beim Alten zu bleiben. „Die Zusammenarbeit mit den Kirchenvorständen war toll.“ Ehrlich, vertrauensvoll, solidarisch. „Das ist nicht selbstverständlich, dafür bin ich sehr dankbar.“ In ihren Dank schloss sie die Küster, Organisten, Pfarrsekretärin, die Reinemachfrauen sowie Schwalbe ein, die sie bereits seit eineinhalb Jahren, seit sie in Elternzeit ist, vertritt.

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ sei einer ihrer Leitsprüche, sagte Sinapius. Ziel sei es, sich als Christ eine eigene Spiritualität zu schaffen. Bei allem, was Kirche gebe, nehme sie einen Teil der Individualität, das seien möglicherweise Gründe, warum sich in der modernen Gedankenwelt immer mehr Menschen zum Austritt entscheiden würden. „Es war mir nicht vergönnt Menschen von diesem Schritt abzuhalten, ich habe um jeden, der ging, getrauert, war enttäuscht, fassungslos, manchmal sprachlos“, sagte sie mit stockender Stimme. „Als Christ in dieser Welt zu leben, ist es nicht einfach.“ Klar, habe sie sich über die Eintritte in die Gemeinden gefreut. Diese Gegensätze drücke ihr Leitsatz aus. „Schon vor 2000 Jahren war den Menschen ihr Glaube manchmal peinlich“, verglich sie. Und nun, wenn sie samt Familie und Hunden den großen Schritt wagt, in Nairobi zu leben, werde sie an das Wort denken. „Furcht ist dort fehl am Platz.“ Dekan Guth entpflichtete Sinapius von ihren Aufgaben. „Ich lasse sie nicht gern ziehen.“ Mit ihr verliere die Wetterau eine geistig geerdete, kluge, theologisch gebildete, engagierte Pfarrerin. Sie gehe nicht ganz, erwiderte Sinapius. „Unsere deutsche Adresse bleibt das Pfarrhaus in Reichelsheim, in dem wir leben, wenn wir hier sind.“ Sie werde, wenn sie in der Wetterau ist, in „ihren“ Kirchen Gottesdienste gestalten, versprach sie.

Pfarrerin Schwalbe lud die Gemeinde zum nächsten besonderen Gottesdienst ein: Am Sonntag, 11. September, 14.30 Uhr werde sie als neue Reichelsheimer Pfarrerin in ihr Amt eingeführt.

(Text: Ines Dauernheim)