Ein Dank richtet Ines Dauernheim an die Mitwirkenden des Gottesdienstes. Von links: Ines Dauernheim, Pfarrerin Angela Schwalbe, Beate Lemler, Hans Schmidt, Heike von Blanckenburg, Ralf Schäfer und Monika Repp. (Foto: Gerd Wagner)
Ein Dank richtet Ines Dauernheim an die Mitwirkenden des Gottesdienstes. Von links: Ines Dauernheim, Pfarrerin Angela Schwalbe, Beate Lemler, Hans Schmidt, Heike von Blanckenburg, Ralf Schäfer und Monika Repp. (Foto: Gerd Wagner)

Lobeshymne auf die Heimat Wetterau


Kirchengemeinde Heuchelheim feiert ihren besonderen Gottesdienst zum Lutherjahr, dabei wird der Wetterauer Reformator Erasmus Alberus in den Mittelpunkt gerückt.


»Beschert dir Gott ein ziemlich Glück.« Diesen Titel wählte die Kirchengemeinde Heuchelheim für ihren Beitrag zum Lutherjahr. Gleichzeitig bildete der musikalische Gottesdienst einen besinnlichen Teil der Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Bestehen der Stadt Reichelsheim. Passend, denn im Gottesdienst ging’s um das Wirken von Erasmus Alberus, dem Reformator der Wetterau. Er wurde 1500 in Bruchenbrücken geboren und war unter anderem Pfarrer in Staden. 53-jährig starb er in Neubrandenburg. Pfarrerin Angela Schwalbe hatte Texte aus dem überlieferten Werk des Pfarrers ausgewählt. Ralf Schäfer an der Orgel und Solistin Heike von Blanckenburg übernahmen den musikalischen Part. Die Gemeinde sang einige Lieder mit Texten von Erasmus Alberus. Ines Dauernheim, Hans Schmidt, Monika Repp und Beate Lemler lasen aus dem Werk des Pfarrers.

Über die Wetterau schrieb er 1553: »Es ist eine gesunde Luft im Lande, auch gute, beide Süße- und Sauerbrunnen.« Erasmus Alberus lobt das gute Bier und den Wein seiner Heimatregion. Er schwärmt vom Reichtum an Tieren, Pflanzen, Getreide, Beeren und viel Wasser. Geschrieben habe er sein »Lob der Wetterau« für die Einwohner seiner Heimat, die für das schöne gute Land, das ihnen Gott gegeben habe, danken sollten.

Lebensweisheiten verpackte Erasmus Alberus in Fabeln, wie die von Maus und Frosch, die so lange miteinander stritten, dass sie nicht bemerkten, als ein Raubvogel sich über sie hermachte, um sie zu fressen.

Zum Schmunzeln regte auch eine weitere Fabel an: Der Fuchs schmeichelt dem Raben so lange, bis er anfängt zu krächzen und ihm das Stück Käse aus dem Schnabel fällt, das sich der Fuchs flugs einverleibt. »Hütet euch vor Schmeichlern«, rät Alberus.

Pfarrerin Angela Schwalbe gab Einblicke in das Leben des Wetterauer Reformators, der als Sohn eines katholischen Pfarrers geboren wurde, der später konvertierte und die Mutter von Alberus heiratete. Der Sohn verbrachte die Kindheit in Staden, ging zur Lateinschule nach Weilburg, nahm ein humanistisches Studium in Mainz auf, wechselte nach Wittenberg, um bei Luther und Karlstadt Theologie zu studieren. Irgendwann in dieser Zeit änderte er seinen Geburtsnamen von Alber in Alberus. »Er war ein lebensbejahender Mensch«, sagte Schwalbe. Noch heute seien etliche der von ihm getexteten Lieder im evangelischen Gesangbuch zu finden. Einige von ihnen sangen die Besucher im Wechsel mit Solistin Heike von Blanckenburg. »Die Lieder sind für heutige Verhältnisse schwere Kost«, erklärte Organist Schäfer. Eingängiger seien da die Kompositionen von Johann Peter Müller, der im 19. Jahrhundert in Friedberg Lehrer ausgebildet hat und der – wie Erasmus Alberus – Pfarrer in Staden war. »Das Reformationsjahr soll Gelegenheit sein, der Vergangenheit zu gedenken, sich der Wurzeln zu vergewissern, um Neues zu wagen«, sagte Schwalbe.

 

Quelle: Wetterauer Zeitung vom 23. August